Kapitel 3 endete mit einem Versprechen: von spät kannst du mit mehr Händen mitgehen. Mit welchen — das ist dieses Kapitel. Und die Antwort ist nie eine einzelne Hand, sondern immer eine Menge davon.
Eine Range ist die Menge aller Hände, die jemand in einer bestimmten Situation so spielt.
Das klingt umständlich, bis man merkt, wozu es gut ist: du siehst die Karten deines Gegners nie. Du siehst nur, was er tut. Wer aus früher Position erhöht, hat irgendetwas Starkes — aber du weißt nicht was, und du wirst es meistens nie erfahren.
Was du stattdessen hast, ist die Liste dessen, was er haben könnte. Genau das ist seine Range. Poker wird nicht gegen zwei Karten gespielt, sondern gegen eine Menge von Möglichkeiten — und diese Menge kann man kennen, während man die zwei Karten nicht kennen kann.
Für dich selbst gilt dasselbe von der anderen Seite: deine Range ist die Entscheidung, die du schon getroffen hast, bevor die Karten kommen. Du entscheidest nicht, ob du diese eine Hand spielst. Du entscheidest, welche Hände du von diesem Platz überhaupt spielst — und dann liest du ab.
Es gibt 169 verschiedene Starthände. 72o ist die schlechteste. Nicht knapp — mit Abstand, und aus drei Gründen gleichzeitig:
Sie hat also keinen Weg zu einer großen Hand und keinen Trost, wenn sie eine kleine trifft. Deshalb foldet sie — von jedem Platz, in jeder Range, immer.
Und das ist der Punkt, um den es hier eigentlich geht: 72o ist nicht deshalb ein Fold, weil sie sich schlecht anfühlt. Sie ist ein Fold, weil man sagen kann warum. Genau diese Begründung ist es, die eine Range von einem Bauchgefühl unterscheidet — und sie gilt für jede der 169 Hände, nur seltener so eindeutig.
169 Hände sind zu viele für eine Liste. Deshalb zeigt sie jeder Trainer als Quadrat, 13 mal 13 — dreizehn Ränge quer, dieselben dreizehn längs. Wer es einmal gelesen hat, liest es immer.
Drei Regeln, mehr braucht es nicht:
Dieselbe Hand steht also einmal im Quadrat, und wo sie steht, sagt schon das Meiste über sie: je näher an der oberen linken Ecke, desto besser.
Ein Nachtrag, der später wichtig wird: die drei Bereiche sind nicht gleich schwer. Eine suited-Hand kannst du auf vier Arten halten, eine offsuit auf zwölf, ein Paar auf sechs. Die untere linke Hälfte ist damit die größere — weshalb eine Range, die nach Feldern klein aussieht, nach Händen größer sein kann als gedacht.
Färbt man ein, was gespielt wird, entsteht immer dieselbe Form: ein Block in der oberen linken Ecke, an den Rändern ausgefranst.
Das ist kein Zufall, das ist die Matrix selbst: oben links stehen die Paare und die hohen Karten, und die spielt man von überall. Je weiter man nach rechts und unten geht, desto eher hängt es vom Platz ab.
Und genau hier wird Kapitel 3 eingelöst: von einem späten Platz ist der gefärbte Block größer. Nicht weil die Karten dort andere wären — es ist dasselbe Quadrat —, sondern weil du dort schon weißt, was die anderen wollen. Mehr Information, dieselben 169 Hände, mehr davon spielbar.
Der Rand ist die eigentliche Arbeit. In der Mitte des Blocks ist nichts zu entscheiden; AA spielt jeder von überall, 72o niemand von nirgends. Wer Poker lernt, lernt den Rand.
Sechs Fragen, eine Antwort je Frage — tippe auf das Feld, das du meinst. Nach jedem Tipp leuchtet das richtige Feld auf, und ein Satz sagt warum.
Die Übung braucht JavaScript. Der Text oben steht für sich — die drei Leseregeln kannst du auch ohne sie lernen.
Dein Fortschritt liegt in diesem Browser, nicht in einem Konto. Ein privates Fenster vergisst ihn wieder — mehr passiert nicht.