Alles, was du bis hierher gelernt hast, gilt in beiden. Die Handreihenfolge, die Positionen, die Ranges, der Preis eines Calls — eines ändert sich trotzdem, und zwar genau das, was Kapitel 5 ausgerechnet hat.
Du setzt dich hin, kaufst ein, spielst — und gehst, wann du willst. Ein Chip ist genau das wert, was draufsteht. Wer aufsteht, nimmt seinen Stapel mit an die Kasse.
Das hat eine Folge, die man leicht übersieht: jede Hand steht für sich. Ob du danach noch am Tisch sitzt, ändert nichts am Wert dessen, was du gerade gewinnst. Die Rechnung aus Kapitel 5 gilt hier unverändert — der Preis ist der Preis.
Alle zahlen dasselbe und starten mit demselben Stapel. Gespielt wird, bis einer alle Chips hat; wer keine mehr hat, ist raus und kann nicht nachkaufen.
Chips weg heißt raus. Genau daraus folgt alles Weitere.
Das Preisgeld geht an die besten Platzierungen — nicht an den, der die meisten Chips gesammelt hat, sondern an den, der am längsten übrig war.
Überleben ist deshalb selbst etwas wert. Im Cash Game gibt es dafür keinen Cent; im Turnier ist es die halbe Aufgabe.
Das ist der Kern, und er lässt sich an der kleinsten möglichen Situation zeigen: zwei Spieler übrig, der Preistopf ist verteilt.
| Deine Chips | Was du im Schnitt bekommst |
|---|---|
| die Hälftehalb gewonnen, halb verloren | 50 |
| alleTurnier gewonnen | 60 |
| keineder zweite Platz zahlt auch | 40 |
Du verdoppelst deine Chips — und bekommst ein Fünftel mehr Geld. Von 50 auf 60. Im Cash Game wären aus doppelt so vielen Chips doppelt so viel Geld geworden, jedes Mal.
Und die andere Richtung ist genauso wichtig: wer alle Chips verliert, geht nicht mit null nach Hause — der zweite Platz zahlt. Gewinnen bringt 10, Verlieren kostet 10, und beides für dieselben 50 Prozent der Chips.
Das ist die ganze Verzerrung, in einer Tabelle. Alles Weitere — vier Spieler, ungleiche Stapel, eine Bubble — ist dieselbe Rechnung mit mehr Zeilen.
Diese Verzerrung hat einen Namen: ICM, das Independent Chip Model. Es ist die Rechnung, die Turnier-Chips in echtes Geld übersetzt — nichts weiter.
Und damit ist die Frage beantwortet, mit der dieses Kapitel schließt: warum kann im Turnier ein Fold richtig sein, der im Cash Game falsch wäre?
Weil der Call in beiden Fällen dieselben Chips gewinnt — aber nicht dasselbe Geld. Kapitel 5 hat gezeigt, wie man ausrechnet, ob ein Call sich lohnt. Im Turnier steht auf der einen Seite dieser Rechnung nicht mehr, was du gewinnst, sondern was es dich kostet, wenn du verlierst — und das ist an der Bubble am meisten.
Genau solche Entscheidungen trainiert dieses Programm. Nicht die Karten, sondern den Moment, in dem ein guter Call zum schlechten wird, weil ein Platz mehr Geld wert ist als ein Chip.
Sechs Fragen, eine Antwort je Frage. Zwei davon kennst du vielleicht schon — sie standen von Anfang an in dieser Lektion.
Die Übung braucht JavaScript. Der Text oben steht für sich — den Unterschied kannst du auch ohne sie lernen.
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